Wer hat an der Uhr gedreht?

Das frage ich mich gerade die ganze Zeit. Seit meinem letzten Blogeintrag sind schon fast 6 Monate vergangen und bald bin ich auch schon wieder zurück in Deutschland. Die Zeit verging die letzten Monate wie im Fluge.

Da in dem letzten halben Jahr viel zu viele Dinge passiert sind, werde ich euch nur von den Wichtigsten erzählen. Ebenfalls wollte ich euch noch einen kurzen Überblick geben, wie meine Arbeit hier mittlerweile aussieht.

Ende Februar konnten wir endlich auch in Kimara an der Primary School anfangen zu arbeiten. Die Schule liegt ca. 30km (wir brauchen immer 2 Stunden) von Kibaha entfernt und gehört auch zur Filbert Bayi Foundation. Dort haben wir aber nicht wie in Kibaha festgelegten Sportunterricht, sondern machen einfach mit den Schülern, die gerade frei haben, Sport. Da jeden Freitag Sporttag ist, steht nachmittags auch oft fast die ganze Schule auf dem Sportplatz, der in Kimara ziemlich klein ist. Deshalb geht es manchmal etwas chaotisch zu und man muss schauen, dass man sich nicht gegenseitig im Weg steht.  Trotz allem macht es mir immer viel Spaß.

An der Primary School in Kibaha unterrichten wir immer noch jeden Montag und Mittwoch.

Zusätzlich zu den Sportstunden machen wir mit der 7. Klasse montags und mittwochs von 15 -16 Uhr und mit den restlichen Boardingschülern (Internatsschüler) von 16 – ca. 17 Uhr Sport. An den Wochenenden beschäftigen wir uns mit den Boardingschülern der Primary School (das sind ca. 50 Schüler). Wir spielen mit ihnen Spiele wie z.B Uno, Memory, … oder die Schüler malen fleißig Mandalas (vielen Dank an meine Eltern, die viele Spiele, Buntstifte und Seifenblasen für die Schüler mitgebracht haben, als sie mich in Tansania besucht haben), nachmittags steht dann nochmal ca. eine Stunde Sport auf dem Programm.

An der Secondary School unterrichten wir immer noch samstags zwei Stunden Sport. Unser Deutschunterricht läuft mittlerweile leider nicht mehr, weil irgendwann keine Schüler mehr aufgetaucht sind (Ich hoffe mal das sagt nichts über unseren Unterricht aus :D) Aber immerhin werde ich jetzt von ein paar Schülern auf Deutsch begrüßt 😊

Soviel zu unserer Arbeit. Die letzten Monate sind super gelaufen und das Unterrichten macht mir immer noch großen Spaß.

 

Neben dem Unterrichten ist aber noch viel anderes passiert. Hier ein grober Überblick:

 

Am 23. März hatte ich Geburtstag. Ich hatte eigentlich nichts Besonderes für den Tag geplant und zuvor auch fast niemanden erzählt, dass ich bald Geburtstag habe. Morgens habe ich mich schon gewundert, warum so viele Leute wussten, dass ich an diesem Tag Geburtstag hatte. Abends hat Thore an meiner Tür geklopft und mich unter einem Vorwand in den Aufenthaltsraum der Boardingschool gelockt. Als ich die Tür öffnete, saßen da alle Boarding Schüler und die Familie Bayi und haben „Happy Birthday“ gesungen. Auf dem Tisch stand ein sehr schöner (pinker) Kuchen mit 19 Kerzen. Nachdem ich die Kerzen ausgeblasen hatte, habe ich einen Khanga (traditionelles Tuch) umgebunden bekommen und sollte dann den Kuchen in kleine Stücke schneiden. Währenddessen wurde wieder ein Lied gesungen. Als ich den Kuchen endlich fertig geschnitten hatte (was sehr lange gedauert hat :D) habe ich Mama Bayi und Mr. Bayi mit einem Stück Kuchen gefüttert und wurde danach selbst gefüttert. Die Beiden haben in meinem Fall meine Eltern repräsentiert. Und währenddessen wurde natürlich wieder gesungen 😊. Danach fütterte ich Thore, eine Schülerin und ein Schüler mit einem Stück Kuchen, bevor der Kuchen an alle verteilt wurde. Von Thore habe ich eine Karte überreicht bekommen, auf der ganz viele Leute unterschrieben haben, was dann auch die Frage geklärt hat, warum fast die ganze Schule wusste, dass ich Geburtstag hatte😊. Das war auf jeden Fall ein super schöner Geburtstag mit einer sehr schönen Überraschung. Vor allem fand ich es auch interessant zu sehen und zu erleben, wie hier Geburtstag gefeiert wird. Am nächsten Tag habe ich dann den Rest des Kuchens an die Lehrer und Mitarbeiter verteilt, die sich alle sehr darüber gefreut haben. Mir hat es auch gefallen, dass es in Tansania üblich ist, den Kuchen mit so vielen Leuten zu teilen. Man bekommt dann zwar kein so großes Kuchenstück, wie man es aus Deutschland gewohnt ist, aber dafür kann man viele Leute glücklich machen. Allgemein wird hier viel geteilt, z.B. teilen die Schüler immer großzügig ihre Süßigkeiten oder Knabbersachen, wenn sie Taschengeld bekommen haben.

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Karte mit Glückwünschen

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Geburtstagskuchen

Im April hatten wir in Jinja, Uganda unser Zwischenseminar. Thore und ich sind davor für drei Tage nach Kigali in Ruanda geflogen, um die Freiwilligen dort zu besuchen. In Kigali sind Plastiktüten wie in ganz Ruanda verboten und die Straßen sind ziemlich sauber. Da in Ruanda auch auf der rechten Straßenseite gefahren wird, hat mich die Stadt sehr an Deutschland erinnert. Danach sind wir mit dem Nachtbus nach Kampala, Uganda gefahren und waren dort noch eine Nacht bei den dortigen Freiwilligen. Der Verkehr in Kampala ist ziemlich crazy und ich habe mich echt gewundert, wie ich die Fahrt auf dem Bodaboda (Motorradtaxi) überlebt habe. Die schlängeln sich so waghalsig durch den Verkehr, dass es auch nicht selten fast zu einem Crash kommt. Am nächsten Tag sind wir mit einem Matatu (Kleinbus) nach Jinja gefahren, wo unser Seminar stattfand. Dorthin kamen auch Ingo und Flo vom ASC Göttingen und haben mit uns das Seminar durchgeführt. Wir haben z.B besprochen, wie es uns bis jetzt ergangen ist und welche Dinge man in unseren Projekten noch verbessern könnte. Es kamen aber auch Themen wie Homosexualität und Rassismus zur Sprache. Es war auch toll, alle anderen wiederzusehen und sich austauschen zu können.

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RUTS

Im Mai haben mich meine Eltern und mein Bruder für zwei Wochen besucht. Wir haben den Arusha Nationalpark und den Tarangire Nationalpark besucht, waren eine Woche auf Zanzibar und dann noch ein paar Tage in Dar und natürlich hier in Kibaha. Es war sehr schön, meine Familie wiederzusehen und vor allem war es toll, dass ich so die Möglichkeit hatte, ihnen mein Zuhause zu zeigen. In der Zeit habe ich auch bemerkt, wie gut ich mich mittlerweile eingelebt hatte. Dinge die für mich völlig normal sind, waren für meine Eltern und meinen Bruder ein ganz neues Erlebnis, wie zum Beispiel zu dritt auf einem Bodaboda (Motorradtaxi) zu fahren. Mir fällt schon gar nicht mehr auf, wie ärmlich und einfach die Lebensverhältnisse sind, dass z.B. die meisten Häuser hier einfache Hütten mit Wellblechdach sind. Auch an den Zustand der Straßen und den chaotischen Verkehr habe ich mich schon gewöhnt. Begeistert waren meine Eltern vor allem von der Offenheit und der Freundlichkeit der Tansanier.

 

Im Mai hat auch die Sports Bonanza stattgefunden, bei der die beiden Schulen der Filbert-Bayi-Foundation Kibaha und Kimara, in verschiedenen Sport-Disziplinen gegeneinander antraten. Der Wettkampf hat sich über mehrere Tage hingezogen. Pünktlich zum Finale bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder in Kibaha angekommen. Meine Familie war beeindruckt, von der Stimmung, die während der Wettkämpfe herrschte. Jeder Punkt beim Netball wurde mit lautem Jubel gefeiert. Lehrer und Schüler tanzten vor Begeisterung auf den Zuschauerrängen.

 

Zum Schluss möchte ich mich nochmal ganz herzlich bei allen Leuten bedanken, die dieses Jahr möglich gemacht haben und mich dabei unterstützt haben.

Nochmal ein großes Dankeschön an alle meine Spender! Ohne euch hätte ich nicht die Möglichkeit gehabt dieses tolle Jahr zu erleben. Und nicht nur mich habt ihr unterstützt, sondern auch alle Schüler, die sich immer unglaublich freuen, wenn wir mit ihnen spielen und Sport machen.

 

Jetzt genieße ich noch die letzten Tage in Tansania, bevor ich mich schweren Herzens verabschieden muss.

 

Bis bald

Eure Lucie