Ein Ereignis jagt das Nächste

Im letzten Monat fand an unserer Schule ein Sporttag statt. Dazu sind Schülerinnen einer anderen Schule angereist. Dieser Tag sollte dazu dienen die Freundschaft der beiden Schulen zu fördern. Die Schülerinnen sind in verschiedenen Disziplinen, wie  z.B Sprint, Tauziehen, Sackhüpfen etc. gegeneinander angetreten. Zum Abschluss gab es noch ein Netball Match. Netball ist hier sehr beliebt und wird von Mädchen und Frauen gespielt und ist so ähnlich wie Basketball. Eine Mannschaft besteht aus sieben Spielern. Der Ball ist etwas kleiner als ein Basketball und die Körbe sind ebenfalls etwas anders. Selbstverständlich haben die Schülerinnen unserer Schule gewonnen :D. Dementsprechend war die Stimmung sehr gut und für mich war es sehr interessant, da dies das erste Netballspiel war dass ich gesehen hatte.

In den letzten Wochen wurden Thore und ich insgesamt auf drei Hochzeiten eingeladen. Da natürlich alles auf Kiswahili gesagt wurde, habe ich nicht immer alles verstanden, trotzdem war es ein weiterer, sehr interessanter Einblick in die tansanische Kultur. Schon angefangen damit, dass die Gäste mit mehreren Stunden Verspätung eingetroffen sind. Insgesamt wurde auf den Hochzeiten sehr viel getanzt und laute Musik gespielt. Eine Überraschung erlebte ich auf der zweiten Hochzeit auf der wir eingeladen waren. So gegen Mitte der Hochzeit wurde ein Brett, mit einem Tuch verhüllt, hereingetragen. Darunter kam ein gegrillter Ziegenbock zum Vorschein – noch ganz am Stück, die Hörner aus Alufolie. Im ersten Moment war ich etwas geschockt, da ich damit überhaupt nicht gerechnet hatte. Von dem Ziegenbock wurden dann kleine Scheiben abgeschnitten und die Braut und der Bräutigam haben sich damit abwechselnd gefüttert, genauso wie verschiedene Mitglieder der Familie.

Vor drei Wochen haben Thore und ich uns auf den Weg nach Bukoba gemacht, um dort, zusammen mit den vier anderen Tansaniafreiwilligen Theresa, Zoe, Michel und Benni, einen fünftägigen Kiswahili Sprachkurs zu besuchen. Die Reise nach Bukoba war schon ein Erlebnis für sich. Morgens um sieben ist unser Bus losgefahren, in Bukoba angekommen sind wir am nächsten Tag, so um halb vier nachmittags. Insgesamt saßen wir also über 32 Stunden im Bus (auf der Rückfahrt waren es über 34 Stunden). Obwohl die Busfahrt ziemlich lang und anstrengend war, war dies aber auch eine gute Möglichkeit mehr von Tansania zu sehen. Die Landschaft ist hier unheimlich abwechslungsreich. Es gibt Wälder, Savanne, Berge, Flachland, Felder, grüne Gegenden, trockene Gegenden, etc..

Da wir in Bukoba noch einen Tag, bevor unser Sprachkurs angefangen hat, Zeit hatten, konnten wir uns die Schulen von Benni und Theresa und von Zoe und Michel anschauen, was sehr interessant war. Benni und Theresa arbeiten an der Mugeza Mseto, einer Inklusionsschule. Neben Kindern ohne besondere Beeinträchtigung, die in der Umgebung wohnen, lernen und leben dort auch Schüler mit körperlichen Behinderungen, besonders Kinder mit Albinismus. Diese Kinder sind ganz besonders der Gefahr von Verfolgung und Verschleppung ausgesetzt. Leider besteht in Teilen der Bevölkerung bis heute der Aberglaube, Körperteile von Menschen mit Albinismus brächten Glück und Schutz vor Unglück. Aus diesem Grund leben diese Kinder dort meist das ganze Jahr über auf dem umzäunten und ständig bewachten Gelände der Schule. Zoe und Michel hingegen arbeiten an der Mugeza Viziwi, einer Schule für Hörbehinderte.

Die nächsten fünf Tage waren wir dann fast den ganzen Tag über mit dem Sprachkurs beschäftigt, in dem wir hauptsächlich Grammatik, aber auch kulturelle Dinge besprochen haben. Da wir nach dem Sprachkurs noch einen Tag Zeit hatten, bevor wir wieder zurück nach Kibaha mussten, konnte ich auch noch das andere Projekt von Theresa und Benni kennenlernen. Neben der Mugeza Mseto arbeiten die beiden noch im Tumaini Children’s Center. Da Tumaini ein von einer schwedischen Organisation mitbegründetes Projekt ist, wird das Center und die Schule jährlich von einem Schweden besucht. Dieser Schwede wurde an eben diesem Tag mit Essen, Gesang und Tanz verabschiedet. Insgesamt waren es sehr schöne und vor allem auch lehrreiche Tage in Bukoba. Es war eine tolle Erfahrung mehr von Tansania zu sehen, Bukoba kennenzulernen und die Einsatzorte von Zoe, Theresa, Michel und Benni zu besuchen.

Am Samstag fand an unserer Schule der Parents Day statt. Dafür hatten die Schüler viele Dinge vorbereitet. In manchen Klassenzimmern wurden z.B verschiedene Experimente vorgeführt oder selbst gebastelte Sachen ausgestellt. Die Eltern hatten so die Möglichkeit mehr über die Schule und den Unterricht zu erfahren und zu sehen, was ihre Kinder im letzten Jahr gelernt hatten. Auch wurden verschiedene Tänze aufgeführt. Wie ich in meinem letzten Blog geschrieben hatte, haben Thore und ich, zusammen mit ein paar Schülerinnen einen Tanz eingeübt. Geplant war, dass wir diesen gleich morgens aufführen. Da aber, typisch tansanisch, noch fast keine Eltern oder andere Gäste da waren, haben wir unseren Tanz dann praktisch nur vor den Schülern aufgeführt. Auch hatten die „Schüler“ der Pre Unit, die nächstes Jahr in die erste Klasse kommen, am Samstag ihre Graduation. Sie haben ein Zertifikat erhalten, sowie Geschenke und Kuchen von den Eltern, Verwandten und Freunden.

Der Parents Day war gleichzeitig für fast alle Schüler auch der letzte Schultag. Nur Form III und Pre-Form one müssen noch länger in der Schule bleiben. Das neue Schuljahr beginnt dann erst wieder am 8. Januar.

Thore und ich haben in den letzten Wochen angefangen, in Pre-Form One (7./8. Klasse) Deutsch zu unterrichten. Da das Schuljahr jetzt aber schon zu Ende ist, hatten wir bis jetzt nur ein paar Unterrichtsstunden. Im nächsten Schuljahr werden wir dann voraussichtlich eine Art Deutsch AG anbieten, da die Nachfrage bei den Schülern hier sehr groß ist.

 

Viele vorweihnachtliche Grüße aus dem heißen Tansania