Vier Wochen Tanzania

Gestern vor genau vier Wochen bin ich aufgeregt und voller Vorfreude nach Tansania geflogen. Alles war fremd, die Leute, die Sprache und vieles mehr. In den letzten Wochen hatten wir Zeit, uns hier einzuleben, die Umgebung anzuschauen, viele neue Leute kennen zulernen, Kiswahili zu lernen und uns daran zu gewöhnen, unsere Wäsche von Hand zu waschen.

Für mich ist es schon so normal, um mich herum nur dunkelhäutige Menschen zu sehen, dass ich es komisch fand, in Dar Es Salaam ein paar Weiße zu sehen. Bei einem Besuch in der Primary School in Kimara wurden Thore und ich erst schüchtern von allen Schülern angeschaut. Besonders mutige Kinder haben sich dann getraut zu uns hinzulaufen, sind dann aber kichernd schnell wieder weggerannt. Als die erste Schüchternheit überwunden war, haben sich schließlich alle zu uns getraut und uns neugierig umringt. Nach ein paar Minuten hatte ich dann gefühlt 30 Kinder um mich herum stehen, die alle meine Haare berühren wollten.

Bis auf eine spontane Sportstunde mit der Primary School, konnten wir noch nicht mit dem Unterrichten anfangen, da die Schule die letzten zwei Wochen für fast alle Schüler geschlossen hatte. Die dagebliebenen Schüler mussten Examen schreiben, bei denen wir beim Korrigieren oder als Aufsicht geholfen haben.

Am Samstag vor zwei Wochen war Graduation Day von Form IV der Secondary School (umgerechnet 11.Klasse) und Grade 7 der Primary School (7. Klasse). Dort haben wir anfangs mitgeholfen den Eltern ihre Karten zu geben , später hatten wir auch noch Zeit zum Zuschauen. Neben der Zeugnisvergabe und mehreren Reden wurden von den Schülern verschiedene Tänze aufgeführt, die mich sehr beeindruckten, da selbst die ganz Kleinen schon richtig gut tanzen konnten.

In Tansania spricht die Mehrheit der Einwohner kein Englisch, die Nationalsprache ist Kiswahili. Die meisten in unserem Umfeld sprechen jedoch zum Glück Englisch, trotzdem versuchen wir fleißig, Kiswahili zu lernen. So langsam verbessern sich meine Kiswahili-Kenntnisse, ich verstehe immer mehr und kann mich manchmal auch mehr oder weniger gut verständigen.

In Tansania ist die Begrüßung sehr wichtig. Ältere Leute begrüßt man mit „Shikamoo“, worauf diese dann mit „Marahaba“ antworten. Das heißt für mich, dass ich die meisten hier mit „Shikamoo“ anrede, da sie älter sind als ich. Jedoch werde ich dann wiederum von Kindern öfters mit „Shikamoo“ begrüßt, da ich älter bin als sie. Wortwörtlich heißt Shikamoo so viel wie: „Ich fasse deine Füße an“  und Marahaba: „Umsonst/ Es ist nicht nötig“. Ganz alte Leute, oder hochangesehene Leute werden auch oft mit „Shikamoo Mama“ oder „Shikamoo Baba“ begrüßt. Begegnet man Leuten die ungefähr im selben Alter oder etwas jünger sind, sagt man „Mambo Vipi“ oder nur „Mambo“ oder auch „Vipi“. Die Antwort lautet dann meistens „Poa“ oder manchmal auch „Safi“. Kinder begrüßt man „Hujambo“ im Singular und „Hamjambo“ im Plural. Diese antworten dann „Sijambo“ oder wenn es mehrere sind „Hatujambo“. Nach der Begrüßung folgt dann meist z.B am Morgen: „Habari ya asubuhi?“ (Wörtlich übersetzt: Nachrichten vom Morgen) darauf antwortet man dann mit „Nzuri“. Je nachdem zu welcher Tageszeit oder zu welchem Anlass können sich so die Wörter hinter „Habari ya“ ändern. Es folgt oft ein längeres Begrüßungszeremoniell, bei dem nach der Arbeit, den Kindern etc. gefragt wird. Auch wenn ich, vor allem am Anfang nicht immer verstanden habe, nach was genau ich gerade gefragt wurde, war das nicht schlimm, denn die Antwort lautete immer: „Nzuri“ (Gut). Es wäre unhöflich eine negative Antwort zu geben. Wenn man diese Begrüßungsformen einhält, kann man den Leuten ganz leicht ein Lächeln auf‘s Gesicht zaubern oder erstaunte Blicke ernten, dass man ein bisschen Kiswahili spricht😊.

Jeden Tag hat es hier tagsüber zwischen 29 und 32 °C. Solange es bewölkt ist oder man sich mittags nicht in der Sonne aufhält, sind die Temperaturen gut auszuhalten. Außerdem ist fast jeder Raum mit einer Klimaanlage oder einem Ventilator ausgestattet und die Klimaanlagen in den Autos sind auf gefühlte 15 °C runtergedreht. Die Sonne geht jeden Morgen um kurz nach sechs auf und ungefähr um halb sieben wieder unter. Da dies das ganze Jahr über so bleibt, gibt es in Tanzania eine „eigene“ Uhrzeit. Bei Sonnenaufgang, also um sechs, ist es Null Uhr und zum Beispiel um zehn Uhr deshalb nach tanzanischer Zeit vier Uhr. Diese Uhrzeit hat bei Thore und mir schon für Verwirrung gesorgt. Wir hatten eine Lehrerin gefragt, wann wir uns am nächsten Morgen treffen. Sie meinte um zwei Uhr, worauf Thore und ich uns ganz perplex anschauten, bis sich dann herausstellte, dass umgerechnet acht Uhr morgens gemeint war.

Das Essen hier schmeckt sehr gut, ist jedoch nicht so abwechslungsreich wie in Deutschland. Zum Frühstück bekommen wir immer Chai, Toast, manchmal sogar Cornflakes und wenn andere Gäste im Hostel sind gibt es Chapati. Mittags und abends gibt es dann Reis (wali) mit einer Soße mit Fleisch, manchmal auch Gemüse und Kartoffeln. Neben dem „normalen“ weißen Reis gibt es manchmal auch einen Gewürzreis (Pilau) oder Ugali, einen Brei aus Maismehl.

In meinem nächsten Blog werde ich dann genauer von meinen Projekten erzählen können, da wir ab nächster Woche endlich mit dem Unterrichten anfangen dürfen.

Bis dahin einen sonnigen Gruß aus Tansania ins kälter werdende Deutschland 😊